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Ab wann ist ein Darmstädter ein Heiner?

Heiner
Bild: Edith Steffens
Eine Frage, viele Antworten:
Vom "Eckesteher" bis zum "Urgewächs"


Stell Dir vor, alle nennen sich Heiner und keiner weiß genau warum: Wieso ein Heiner eigentlich Heiner heißt, darüber scheiden sich die Geister. Selbst Kenner liefern unterschiedliche Erklärungen. Da das Heinerfest seine Schatten vorauswirft, hat da facto-Team Bürgerinnen und Bürger auf der Straße, aber auch ausgewiesene Experten gefragt, um das „Heinertum“ zu ergründen.

Das Heinerfest zählt mit seinen rund 700.000 feiernden Besuchern zu den größten Innenstadtfesten der Republik.

Das traditionelle Stadtfest um das 1. Juliwochenende herum ist nach seinen Einwohnern, den Heinern, benannt. Aber nicht jeder, der seinen Wohnsitz in Darmstadt hat, wird damit gleich zum Heiner. Also, was ist eigentlich ein Heiner und ab wann ist ein Darmstädter ein echter Heiner?

Das da facto-Team stellte den Darmstädterinnen und Darmstädtern auf dem Luisenplatz, in der Fußgängerzone und im LuisenCenter diese Frage.

Kyra Eppart (37) meint sofort: „Wenn man hier geboren ist und den Darmstädter Dialekt spricht.“ Ihr Begleiter Heinz Ramb (50) ergänzt: „Wenn man die Stadt nicht verläßt.“ Die Dritte im Bunde am Stehcafé will sich zu dieser heiklen Frage lieber gar nicht äußern.

„Wenn man gebürtiger Darmstädter ist.“, meint auch Oliver Demiris: Er vermutete, der Name komme aus dem ländlichen Bereich, „des ist doch sowas wie Pannekuche“.  Als die da facto-Reporterin seine daneben stehende schwangere Frau fragt, ob ihr Nachwuchs in spe auch ein Heiner wird, lautet die Antwort jedoch: „Nein, er wird zwar hier geboren, aber dann ist man doch noch kein Heiner.“ Außerdem wohne man gar nicht hier. Also hier geboren zu sein, reicht nun doch nicht aus um ein waschechter Heiner zu werden. Auch Edmund Schulz hat zur Frage eine Meinung: „Man nennt die Darmstädter so, weil früher viele Heiner hießen.“

Nach Ihrer Definition gefragt, sagt Jasmin Engeser (35) freundlich: „Ich bin hier zwar nicht geboren, fühle mich aber trotzdem als Heiner. Weil Darmstadt voll gemütlich ist.“ Sie findet es schön, „dass es nicht gerade eine aufregende Stadt sei und „jeder jeden kennt.“ Ihr Mann Jens (36) kontert: „Heiner ist man, wenn man hier geboren ist und sich dazugehörig fühlt.“ Er selbst ist ein waschechter Heiner, fügt aber gleich hinzu, dass er aber auch ein Lapping ist (ein Bessunger). Allerdings findet er es in Darmstadt nicht ganz so toll wie seine Frau. Aufregendes Darmstadt? Mit dieser Ansicht kann sich der Gatte nicht anfreunden.

Kommt das Ehepaar Falting die Fußgängerzone entlang. Er (70) vermutet: „Das sind die Ureinwohner von Darmstadt.“ Sie (67): „Ich hab keine Ahnung.“ Dann scheint sie doch einiges zu wissen: “Es gibt doch ein Heinerviertel in Darmstadt.“ Auf die Frage, wo das Viertel sei, weiß sie nur: „Weiß ich nicht, irgendwo hier in der Nähe der Innenstadt.“

Frederike Zinner aus dem TicketShop von ProRegio weiß einiges zum Thema zu berichten: Sie kennt die Legende vom Heiner, der nur einer ist, „wenn er mit Woogswasser getauft wurde.“ Es gibt sogar Leute, so die 50jährige, die lassen sich auch nach einem Wegzug zur Taufe ihres Kindes extra Heiner-Wasser kommen. Außerdem erinnere sie sich, dass der Heiner eine fiktive Gestalt Niebergalls ist, ein „Eckensteher“ und ein „Schluri“, der eben an der Ecke rum steht und die Augen und Ohren überall offen hat.

Andrea Sieger (29) ist sich ganz sicher: „Ein Heiner ist man, wenn man hier geboren ist.“. Ihre Kinder Mia (3) und Amelie (2) stellt sie stolz als waschechte Nachwuchs-Heiner vor.

Einer der es wissen muss, Stadtoberhaupt Peter Benz ... erklärt auf die da facto-Anfrage: „Ein Heiner ist eindeutig jemand, der in Darmstadt geboren wurde und den Dialekt spricht.“

Expertin auf dem Gebiet des Heinerismus ist auch Sabine Welsch, Geschäftsführerin des Heimatvereins Darmstädter Heiner, der das Heinerfest organisiert. Der Heiner, erzählt sie, ist einer, „den man mit Woogswasser getauft hat.“ Er müsse in Darmstadt geboren sein. Aber, fügt sie hinzu, ganz privat finde sie, dass auch aus zugezogene Wahl-Darmstädter echte Heiner werden können, „indem sie sich zum Beispiel für die Stadt engagieren.“ Historisch meine der Begriff den Eckesteher, der keine feste Arbeit besitze und vor der Krone, an der Ecke Schustergasse, auf Arbeit wartete. Ebenfalls verbürgt sei der Begriff als Schimpfwort für die „bösen Buben aus der verrufenen Altstadt“. Die sei berühmt-berüchtigt gewesen wegen ihrer engen Gassen und ihren einfachen, armen Bewohnern. „Spiel‘ mir ja nicht mit einem Heiner!“ hieß es unter feinen und betuchten Leute der Oberschicht. Wer glaube (wie einer der Befragten in der da facto-Umfrage) der Name Heiner sei ein typischer, weil es so viele männliche Darmstädter mit diesem Vornamen gebe, liegt jedoch falsch. „Die meisten männlichen Darmstädter hießen früher Schorsch“, weiß Welsch. Ob der Heiner-Begriff nun aus dem Mittelalter stammt oder doch erst im 19. Jahrhundert aufkam: „Man wasses net genau“.

Die Frage nach dem Ursprung ist also nicht exakt geklärt. Kasimir Edschmid vermutete seinerzeit: „Ich bin überzeugt, dass das Wort Heiner die Abkürzung eines früheren Darmstädter Vororts ähnlichen Namens ist, und zwar eines nicht sonderlich angesehenen Quartiers.

Die Heiner waren die Darmstädter Sansculotten.“ Und Mundartdichter Robert Schneider sinniert: „E Heiner is vor alle Dinge e geborener Darmstädter. Kimmt er jenseits der Heinrichstraß uff die Welt, dann haaßt mer’n „Lapping“.“

Das Heinertum wird wohl auch das 21. Jahrhundert überdauern: dafür sorgt schon Christfried Prägers 1,80 Meter großer und 220 Kilo schwerer Bronze-Heiner, der seit 1995 an der Krone steht. Eingeweiht hatten ihn per Woogswasser-Taufe Darmstadts Oberbürgermeister Peter Benz und Initiator Peter Dinkel. Festpräsident Günther Metzger begoß die Statue anschließend mit Darmbachwasser.

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www.dafacto.de

Der Text über die Heiner erschien zuerst in Darmstadts Internetzeitung.

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